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Workshop Juni 2016 © Lars Wiedemann

Europäisierung als konflikthafter Prozess: ein Forschungsprogramm

Das gegenwärtige Verständnis von „Europäisierung“ ist nach wie vor geprägt von teleologischen und linearen Vorstellungen, zunehmender Integration und Fortschritt. Allerdings sind und waren Momente intensiver europäischer Entwicklung gerade von ambivalenten Aspekten und widersprüchlichen Prozessen charakterisiert. Das Forschungsprojekt „Ambivalenzen der Europäisierung“ verfolgt das Ziel, diese Ambivalenzen als Kern der Europäisierung zu verstehen und zu systematisieren.

Die Ausgangshypothese des Projekts lautet dabei, dass Moderne und Europa seit ihrer gemeinsamen Genese im 18. Jahrhundert eng miteinander verknüpfte Konzepte sind. Da die Ambivalenzen den notwendigen komplementären Gegenpart der Moderne als Ordnung darstellen, konstituieren sie ebenso den Kern der Europäisierung. In diesem Sinne waren es nicht friedliche Momente, sondern vielmehr Krisen, Konflikte, Widerstände und Unbestimmtheit, welche die historische Entwicklung Europas maßgeblich beeinflusst haben.

Tendenzen der Homogenisierung und Differenzierung, der Integration und Desintegration sowie der Synchronisierung/Beschleunigung und Entsynchronisierung/Verzögerung sind gleichzeitig präsent und bilden den Motor einer prinzipiell nichtlinearen Europäisierung. Ambivalenzen werden im Projekt in drei Dimensionen als empirische Phänomene analysiert: symbolische Bedeutungen, historische Vielschichtigkeit und institutionelle Praktiken stehen im Fokus eines umfassenden, interdisziplinären und nicht-teleologischen Verständnisses von Europäisierung.

Das Forschungsprojekt wird von der Europa-Universität Viadrina bis Juni 2017 finanziert.