Willkommen bei der Forschungsgruppe „Border & Boundary Studies“

Zurück

Programm der Adhoc Gruppe "Soziologie der Grenze" auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

Vom 24.-28.9. findet in Göttingen der 39. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie statt unter dem Kongressthema "Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen". Dominik Gerst und Ulla Connor (Luxemburg) veranstalten in diesem Rahmen am 25.9. von 14.15-17 Uhr in Raum VG 4.102 eine Adhoc Gruppe zur "Soziologie der Grenze" und diskutieren aktuelle Entwicklungen und Perspektiven dieses Forschungsfeldes.

Das Programm der Veranstaltung:

SOZIOLOGIE DER GRENZE: STAND UND PERSPEKTIVEN EINES NEUEN FORSCHUNGSFELDES
Organisation: Ulla Connor (Luxemburg), Dominik Gerst (Frankfurt/Oder)

Anne Sophie Krossa (Mainz): Geflüchtete und Ehrenamtliche: Ambivalenzen von Grenzräumen

Eva Bahl (Göttingen): Vom Kanonenschuss zum Multi-Kulti-Labor – Grenzziehungen und Zugehörigkeiten in Ceuta und Melilla

Kenneth Horvath (Luzern): Bildungsgrenzen. Überlegungen zum Wechselspiel von Grenzregimen, pädagogischen Klassifikationen und Bildungsungleichheiten

Anne Deremetz (Passau), Matthias Fuchs (Passau): Die diskursive Konstruktion von Normalitätsgrenzen – Grenzaushandlungen im Bereich der Sexualität

Christian Banse (Göttingen): Grenzziehungen von Akteuren und komplexe Grenzstrukturen 

Grenzen sind aufgrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Veränderungen wieder in den wissenschaftlichen wie auch öffentlichen Fokus gerückt. Dabei haben nicht nur räumliche Grenzen, wie sie etwa zwischen Staaten, Regionen oder auch Stadtteilen gezogen werden eine große Bedeutung. Ebenso werden auch soziale und kulturelle Trennungen durch gegenwärtige Entwicklungen auf den Prüfstand gestellt.

Die Forschungsgruppe „Border & Boundary Studies“ nimmt diese vielfältige Präsenz von Grenzen zum Ausgangspunkt und fragt nach der Beschaffenheit und Relationalität gegenwärtiger Demarkationen in verschiedenen sozialen Feldern. Die klassische Differenz zwischen Studien zu Raumgrenzen (border(land) studies) und sozialen Grenzen (boundary studies) überwindend, thematisiert die Forschungsgruppe Grenzen als hochkomplexe Gegenstände und zwar sowohl in ihrer theoretischen Konzeption als auch in der empirischen Ausgestaltung. Grenzen werden als multidimensionale, dynamische und relationale Gebilde verstanden, die über Praktiken der Grenzziehungen hervorgebracht, stabilisiert und unterlaufen werden.

Um dieser Komplexität von Grenzen näher zu kommen, werden in der Arbeit der Forschungsgruppe Grenzinfrastrukturen als Analysefokus zentral gesetzt. Infrastrukturen können als Substrat angesehen werden, als gleichermaßen „harte“ (Straßen, Grenzzäune, Pipelines etc.) wie auch „weiche“ (Menschen, Dienstleistungen, Kategoriensysteme etc.) Grundlagen der Verbindung und Trennung, die als physische wie symbolische Gelingensbedingungen kollektive soziale Prozesse und übersituative Strukturierungs- bzw. Relationierungsleistungen ermöglichen. Ausgehend von der aktuellen geistes- und sozialwissenschaftlichen Infrastrukturforschung können somit nicht nur einzelne Grenzobjekte und konkordante Grenzpraktiken in den Blick genommen, sondern auch die meist unbewussten, übersituativen, häufig unsichtbaren und standardisierten Relationen von Grenzarbeitsprozessen analysiert werden.

Im Rahmen des Projektes dient das Konzept der Infrastruktur als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung in drei unterscheidbaren, sich gleichermaßen überlagernden Forschungslinien: 1) Komplexität von Grenzen, 2) Infrastrukturen der Grenze, 3) Umstrittenheit der Grenze