Willkommen bei der Forschungsgruppe „Border & Boundary Studies“

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Kulturwissenschaftliche Border Studies - Sektionsgründung

Im Verbund mit WissenschaftlerInnen der Universitäten Luxemburg und des Saarlandes haben Dr. Hannes Krämer, Prof. Dr. Konstanze Jungbluth und Prof. Dr. Claudia Weber vom Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION die Sektion "Kulturwissenschaftliche Border Studies" bei der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG) gegründet. 

Die kulturwissenschaftlich ausgerichteten Border Studies analysieren Grenzräume kritisch und betrachten Grenzen dabei sowohl synchron wie diachron als Ergebnisse von komplexen räumlichen, zeitlichen, sozialen und kulturellen Prozessen, die nicht statisch, sondern dynamisch und veränderbar sind. 

In ihren Arbeiten konzentrieren sich die Sektionsmitglieder auf vier komplementäre Gegenstandsbereiche kulturwissenschaftlicher Grenz(raum)forschung: Literatur & Populärkultur, Medien & politische Diskurse, alltagskulturelle Praxisformationen & Sprachkontakt und Mobilität & Migration. Mit diesen Arbeitsschwerpunkten ist die Sektion anschlussfähig für unterschiedliche kulturwissenschaftlich orientierte Disziplinen und leistet sowohl auf der Ebene der Theoretisierung von Grenz(raum)fragen als auch auf empirischer Ebene der Analysebeispiele einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung der kulturwissenschaftlichen Border Studies.

Grenzen sind aufgrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Veränderungen wieder in den wissenschaftlichen wie auch öffentlichen Fokus gerückt. Dabei haben nicht nur räumliche Grenzen, wie sie etwa zwischen Staaten, Regionen oder auch Stadtteilen gezogen werden eine große Bedeutung. Ebenso werden auch soziale und kulturelle Trennungen durch gegenwärtige Entwicklungen auf den Prüfstand gestellt.

Die Forschungsgruppe „Border & Boundary Studies“ nimmt diese vielfältige Präsenz von Grenzen zum Ausgangspunkt und fragt nach der Beschaffenheit und Relationalität gegenwärtiger Demarkationen in verschiedenen sozialen Feldern. Die klassische Differenz zwischen Studien zu Raumgrenzen (border(land) studies) und sozialen Grenzen (boundary studies) überwindend, thematisiert die Forschungsgruppe Grenzen als hochkomplexe Gegenstände und zwar sowohl in ihrer theoretischen Konzeption als auch in der empirischen Ausgestaltung. Grenzen werden als multidimensionale, dynamische und relationale Gebilde verstanden, die über Praktiken der Grenzziehungen hervorgebracht, stabilisiert und unterlaufen werden.

Um dieser Komplexität von Grenzen näher zu kommen, werden in der Arbeit der Forschungsgruppe Grenzinfrastrukturen als Analysefokus zentral gesetzt. Infrastrukturen können als Substrat angesehen werden, als gleichermaßen „harte“ (Straßen, Grenzzäune, Pipelines etc.) wie auch „weiche“ (Menschen, Dienstleistungen, Kategoriensysteme etc.) Grundlagen der Verbindung und Trennung, die als physische wie symbolische Gelingensbedingungen kollektive soziale Prozesse und übersituative Strukturierungs- bzw. Relationierungsleistungen ermöglichen. Ausgehend von der aktuellen geistes- und sozialwissenschaftlichen Infrastrukturforschung können somit nicht nur einzelne Grenzobjekte und konkordante Grenzpraktiken in den Blick genommen, sondern auch die meist unbewussten, übersituativen, häufig unsichtbaren und standardisierten Relationen von Grenzarbeitsprozessen analysiert werden.

Im Rahmen des Projektes dient das Konzept der Infrastruktur als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung in drei unterscheidbaren, sich gleichermaßen überlagernden Forschungslinien: 1) Komplexität von Grenzen, 2) Infrastrukturen der Grenze, 3) Umstrittenheit der Grenze