Netzwerk: Komplexität von Grenzen

Grenzen – verstanden sowohl als soziale, zeitliche wie auch räumliche Trennungen – lassen sich nur ungenügend als simple (häufig räumliche) Demarkationen fassen. Sie sind vielmehr komplexe Gebilde, die sich durch eine multidimensionale Beschaffenheit auszeichnen, diverse Funktionen aufweisen und von einer hohen Dynamik geprägt sind. Diese Vielfältigkeit von Grenzen wurde in den letzten Jahren von der interdisziplinären Grenzforschung wiederholt aufgegriffen (vgl. die Konzepte der borderscapes, assemblages, boundary sets, interfaces etc.), allerdings ohne eine konsensuale Position zu erreichen. In der ersten Forschungslinie soll das Konzept der Infrastruktur dazu dienen, die Komplexität von Grenzziehungen begrifflich auf den Punkt zu bringen und analytisch aufzufangen. Entsprechend wird im Dialog mit prominenten Grenzkonzepten eine analytische Grenzheuristik skizziert und so ein interdisziplinäres Verbindungsvokabular befördert, welches die einzelnen Dimensionen vielfältiger Grenzziehungsprozesse erkennen und in ihrer Relationalität beschreiben kann. Dabei ermöglicht das Infrastrukturkonzept, den Blick auf die materiale Verfasstheit von Grenzen zu lenken und nicht im Metaphorischen zu verharren. Diese konzeptionelle Auseinandersetzung zielt sowohl auf die begriffliche Weiterentwicklung als auch die Vernetzung mit anderen Ansätzen und Personen.