Die transnationale Mobilisierung von Arbeitsrechten  

 

Die globale Textilindustrie steht geradezu paradigmatisch dafür, wie das Zusammenspiel aus ungezügeltem internationalen Wettbewerb sowie rechtsstaatlichen und demokratischen Schwächen in den Produktionsländern immer wieder zur Verletzung von Arbeitsrechten der dortigen Arbeitnehmer*innen führt. Inzwischen hat sich ein Regelungsgeflecht aus privaten, staatlichen und internationalen Normen herausgebildet, die Arbeitsbedingungen in den Lieferketten regulieren und die Arbeitsrechte gewährleisten sollen.

Trotz zunehmender Anzahl wenig untersucht ist bislang die Bedeutung und die Praxis transnationaler Beschwerdemechanismen, mit deren Hilfe Arbeiter*innen und Gewerkschaften Arbeitsrechte durchzusetzen versuchen. Zu diesen Beschwerdemechanismen gehören Verfahren, die transnationale Unternehmen den Arbeiter*innen ihrer Zulieferunternehmen anbieten oder Instrumente transnationaler Multistakeholder-Organisationen bis hin zu Schiedsverfahren.

Im Rahmen des Projekts interessieren uns die Strategien der Arbeiter*innen und ihrer Unterstützungsnetzwerke bei der Auswahl und Kombination von Beschwerdemechanismen sowie die Wechselwirkungen zwischen Mobilisierungspraktiken, Rechtsverständnis der Akteur*innen und Ausgestaltung der Verfahren.

Das interdisziplinäre Projekt verbindet rechts- und sozialwissenschaftliche Perspektiven in einer vergleichenden, empirischen Analyse von Beschwerden aus Myanmar und Bangladesch.

Es soll auf der einen Seite einen Beitrag zur Entwicklung einer Soziologie transnationaler Rechtsmobilisierung leisten, die den gesellschaftlichen Bedingungen der Rechtsmobilisierung in einer globalisierten Wirtschaftsordnung Rechnung trägt. Auf der anderen Seite liefert es empirische Erkenntnisse, die für die weitere Erforschung von Transnationalisierungsprozessen des Arbeitsrechts fruchtbar gemacht werden können.  

 

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