Mobilität im Wandel
Transnationale Verkehrsbeziehungen in europäischen Grenzregionen seit 1945

Die transkontinentalen Ost-West-Verkehre haben in den letzten 30 Jahren eine beeindruckende Renaissance erfahren, wobei sich die Entwicklung größtenteils auf die internationalen Korridore konzentriert, die sich auch in den Planungen der Transeuropäischen Netze (TEN) wiederfinden. Diese haben jedoch primär die bessere infrastrukturelle Verknüpfung der großen Metropolräume im Fokus, wovon die europäischen Grenzregionen nur bedingt profitieren, da diese Gebiete häufig nur als Transiträume dienen, abseits liegen oder nur über sekundäre Achsen an die TEN-Korridore angebunden sind. In der Folge besteht für die in den Grenzregionen ansässige Bevölkerung, die zunehmend arbeits- und freizeitbedingt die europäischen Binnengrenzen überschreitet, abgesehen vom Auto nur an wenigen Stellen eine gut ausgebaute, öffentliche Verkehrsanbindung.

Diese kontrastierende Entwicklung lässt sich exemplarisch in den beiden an der deutschen Binnengrenze zu Polen und Tschechien gelegenen Euroregionen Pomerania und Neisse beobachten, wo der grenzüberschreitende Eisenbahnverkehr auf wenige regelmäßig bediente Linien beschränkt bleibt. In der Konsequenz gibt es großflächige Räume, die für die Bevölkerung auf der jeweils anderen Seite der Grenze nur über Umwege und unter hohem Zeitaufwand zu erreichen sind. Paradoxerweise gibt es in vielen Fällen historisch gewachsene Infrastrukturen, die bereits heute genutzt werden bzw. mit vergleichsweise geringem Aufwand wieder nutzbar gemacht werden und damit dem europäischen Ziel der wirtschaftlichen und territorialen Kohäsion dienen könnten.

Die zugrundeliegenden Austauschbeziehungen und -bedürfnisse wurden bislang kaum interdisziplinär untersucht – einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke soll das hier vorgestellte Promotionsvorhaben leisten. Dazu richtet sich der Blick zunächst auf die historische Entwicklung, wobei die Wendepunkte von 1945 und 1989 sich bis heute auf die Entwicklung der grenzüberschreitenden Verkehrsbeziehungen auswirken. Die Betrachtung der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Dimension der Grenze ist von zentraler Bedeutung, um die heutige Situation bewerten und Perspektiven für die weitere Entwicklung aufzeigen und Handlungsempfehlungen ableiten zu können.

Im Rahmen des Projektes ist eine vergleichende Untersuchung in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens vorgesehen, wobei sich die Analyse auf die heute von einer EU-Außengrenze durchzogenen Grenzregion zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien fokussiert.